Aufgewachsen bin ich in Wilhelmshaven, seinerzeit noch Großstadt. Nach Abschluss der Realschule entschied ich mich für eine Ausbildung zur Industriekauffrau, was sich anbot in der damals großen Hafenstadt mit wichtigen Industrieunternehmen wie Krupp Kranbau, Werften etc. Damit legte ich auch die Basis für meine künftigen Aufgabengebiete Unternehmens- und Investitionsplanung sowie Controlling mit ADV, EDV und später mit IT.
Mit unseren erworbenen Kenntnissen wollten mein Freund und ich im aufstrebenden Brasi-lien, ich in meinem Beruf und er als Maschinenbau-Ingenieur, unsere Zukunft gestalten. Diese begann in Sao Paulo. Einen kleinen Haken gab es noch: Bedingung für meine Arbeitserlaub-nis war die Heirat. Also brachten wir diesen Akt hinter uns. Beide Elternpaare taten sich schwer mit unserer Auswanderung. Arbeitsangebote großer deutscher Firmen waren leicht zu finden. Die Jahre dort haben wir genossen, das große Brasilien war faszinierend, die Men-schen, die Natur, die Musik, das Meer, die Inseln, die Küsten, alles, die Sprache ebenfalls, gerade auch für mich.
Nach einigen Jahren verließ ich sehr wehmütig das Land, zog nach Berlin, arbeitete am Insti-tut für Luft- und Raumfahrttechnik in meinem Beruf. Im Urlaub flog ich nach Brasilien, mein Privatleben hatte sich geändert, sollte ich bleiben oder nicht? Es war eine sehr schwere Ent- scheidung für mich, endgültig nach Deutschland zurückzukehren. Das Schicksal zeigte sich in Form einer neuen Beziehung und führte mich nach Köln. Hier nahm ich die Möglichkeit wahr, das Abitur nachzuholen und ein Übersetzerstudium für Englisch und Spanisch zu absolvieren. Natürlich arbeitete ich für meinen Lebensunterhalt und musste mir später nach langen Son-dierungen eingestehen, dass ein Leben als freie Übersetzerin eine brotlose Kunst war. Spra-chen - hinzu kam noch das Portugiesische - wurden zu meinem Hobby. Die Literatur zeigte eine sehr große Auswahl in den drei Sprachen. Damit war für mich ein neues Gleis freigege-ben, nämlich selbst als Schriftstellerin tätig zu werden, natürlich neben meinem Beruf. Köln ist die Stadt, in der ich bisher die meisten Lebensjahre verbracht habe, ganz tolle Kollegen fand, die Kultur genoss, Theater, Konzerte, Arthouse-Kinos usw. Die Mentalität des Kölners hat mir bewiesen, dass ich genau hier mich zu Hause fühlte.